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Einziger Grund

Trost verreiste oft. - Er sei wohl gern unterwegs, bemerkte Dunker. - Keine Spur, im Gegenteil, erwiderte Trost, ich verreise nur aus einem einzigen Grund: Ich liebe es, wieder nach Hause zu kommen. - Dann sei er wohl gern zu Hause, stellte Dunker daraufhin fest. - Das habe ich nicht gesagt, entgegnete Trost.

 

Das Rezept

Irgendwann fiel auf, daß Zart und Trost nun schon über Jahre hinweg ein durchaus harmonisches Paar abgaben, und man fragte sie, ob sie irgendein Rezept dafür hätten. Sie suchten lange nach einer Antwort. Uns verbindet eigentlich nichts, meinten sie schließlich, nur die Sehnsucht nach einem anderen Partner.

 

Die Frau seines Lebens

Trost war ständig unterwegs und hatte daher keine Gelegenheit, die Frau seines Lebens zu finden. Oder war sein Unterwegssein ein ständiges Suchen? Oder war es Flucht? Oft fuhr er mit dem Zug. Einmal hielt der Zug - es war ein milder Sommerabend, und die Sonne stand glutrot am Horizont - auf freier Strecke vor einem Signal. Auf dem Nebengleis hielt ebenfalls ein Zug, welcher aus der entgegengesetzten Richtung gekommen war. Trost stand von seinem Sitz auf und ging ans Fenster, um sich den anderen Zug anzusehen. In diesem Zug, im gegenüberliegenden Abteil, war ebenfalls jemand, eine Frau, aufgestanden und ans Fenster getreten, um ihrerseits einen Blick in das andere Abteil zu werfen. Ihre Blicke trafen sich für Sekunden. Sie ist, erkannte Trost, die Frau meines Lebens. Im gleichen Moment sprangen die Signale auf Grün, und beide Züge setzten sich wieder in Bewegung. Seitdem blieb er zu Hause.

 

Radikal

Ich will mein Leben radikal ändern, sprach der Tiger, und lief fortan in seinem Käfig links-statt rechtsherum.

 

Höflichkeit

Ach Verzeihung, darf ich Ihnen das Leben retten? fragte Zank Trost, der ins Wasser gefallen war. - Oh gern, gurgelte Trost mit letzter Kraft, aber nur, wenn es Ihnen nicht zuviel Mühe macht.

 

 

Pressestimmen

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"Pointiert und konzentriert, mit Humor und Melancholie hat Roland Lampe seine kleinen Geschichten erzählt. Mal ist es nur ein Satz, Aphorismen gleich wie in der Überschrift, mal eine ganze Seite, auf der ein oft trauriger Trost hinter die Maske des Lebens blickt."

Marlies Schnaibel in der "Märkischen Allgemeinen", 14.10.2003

 

"Die Texte sind knapp, gehen kaum über zwei Druckseiten hinaus, sind sprachlich ziseliert und machen die Kunstfigur Trost (die an Brechts Keuner-Geschichten erinnert) nach wenigen Anläufen plastisch..."

Klaus-Dieter Schönewerk im "Neuen Deutschland", 5.09.2003

 

"Der Autor konfrontiert uns mit einer Abfolge tragikomischer Alltagskatastrophen. Jede Leserin und jeder Leser wird sich selbst daran messen: ‚Gott, wie depressiv; ein Glück, daß ich nicht so bin!' Oder, andersherum: ‚Wie treffend! Er schreibt mir aus der Seele.' Das ist es, was Trost spendet."

Martin Bering in "Scheinschlag" 8/2004

 

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